Die Kartoffel (Solanum tuberosum) - Geschichte, Sorten, Anbau

Die Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse und ist in fast jedem Garten zu finden. Familien mit Kindern entdecken den Anbau von Kartoffeln als eindrückliches, nachhaltiges, ertragreiches, aber vor allem geschmackvolles Erlebnis neu. Lesen Sie hier mehr über die Geschichte und den Ursprung der Kartoffel. Informieren Sie sich über verschiedene Sorten und natürlich über den Kartoffelanbau selbst.

länglich geformte Kartoffeln, mit hellgelber Schale, direkt nach der Ernte in der Hand des Gärtners*in, noch mit Erde

Kartoffeln wachsen wunderbar im eigenen Garten – aus der Erde – in den Topf - auf den Teller!

Ursprung der Kartoffel

Möchten Sie wissen, wo die ursprüngliche Heimat der Kartoffel liegt, dann nehmen wir Sie mit auf eine lange Reise. Obwohl die Kartoffel seit Jahren Platz 1 unter den beliebtesten Gemüsearten der Deutschen einnimmt und somit aus unserer Küche nichtwegzudenken ist, so liegt die ursprüngliche Heimat dieser außergewöhnlichen Knolle in den Anden Südamerikas. Im Raum des heutigen Perus und Boliviens wurde erstmals von den „Papas“ (bedeutet so viel wie „Knollen“) berichtet. Schon 7000 v. Chr. wurde die Pflanze dort in ungefähr 100 Varianten kultiviert. Die Seefahrer Europas brachten die Kartoffel mit dem Schiff zunächst nach England und Spanien und von dort über Italien auch in den deutschsprachigen Raum. Friedrich der Große (1712 – 1786) führte die Kartoffel gegen viele Widerstände bei den heimischen Bauern mit den sogenannten „Kartoffelbefehlen“ ab 1746 ein. Er schien die Kartoffel für geeignet zu halten, dem ständigen Bevölkerungswachstum mit drohenden Hungersnöten entgegenzustehen.

Kartoffelsorten für den Anbau im Garten - der Versuchs eines Überblicks

Bei uns ist die Kartoffel unter vielen Namen bekannt. Einige nennen sie Erdäpfel, andere Bauerntrüffel, Grumbeere oder auch Arbern. Wer es genau wissen möchte, kann hier einmal nachschauen. Noch um einiges vielfältiger als die Namen sind die Sorten der Kartoffel, die es hier zu Lande, aber auch weltweit, zu entdecken gibt. In Deutschland waren 2020 exakt 198 verschiedene Kartoffelsorten für den Anbau zugelassen, weltweit bis zu 2000!

Die Qual der Wahl hat der/die Kartoffelgärtner*in, wenn er/sie sich im März auf die „Pflanzkartoffel- Suche“ begibt und sich für die richtige(n) Sorte(n) entscheiden möchte. Als Entscheidungshilfe wird dabei oft die Differenzierung der Kartoffel in Bezug auf verschiedene Merkmale genutzt. Dazu gehören die folgenden:

Kocheigenschaften: Je nachdem ob Sie die Kartoffeln als Püree, Salz- oder Pellkartoffeln, als Klöße oder Rösti nutzen wollen, wird bei den Kocheigenschaften in mehlig kochend, vorwiegend festkochend und festkochend unterschieden.

Reifezeitpunkt: Für den Anbau im Garten spielt der Erntezeitpunkt eine gewichtige Rolle. Kartoffeln werden dahingehend in früh (ab Juli), mittelfrüh (ab August) und spät (Anfang September) zu erntende Sorten eingeordnet. Es gibt wenige Sorten, die sehr früh geerntet werden können und ebenso wenige, die sehr spät aus der Erde geholt werden sollten.

Knollen- und Fleischfarbe: Hinter der gelben, roten, blauen, lila oder braunen Schale sitzt manchmal auch ein „bunter“ Kern. Kartoffeln sind ebenso vielfältig in der Ausprägung der „Fleischfarbe“ - von weiß, über hellgelb, gelb, rosa, rot bis hin zu lila, ist fast alles dabei.

Knollenform: Die unterirdische Kartoffelknolle ist das verdickte Ende eines sogenannten Stolons (unterirdisch kriechender Seitenspross) und hat je nach Sorte eine runde, rund-ovale, ovale oder längliche Form.

Lila Kartoffel mit fast schwarzer Schale, gilt unter den Feinschmeckern als Delikatesse!

Diese Trüffelkartoffel „Vitelotte“ aus dem konventionellen Landbau zeigt ein wunderbares Lila, das auf jedem Teller für Erstaunen sorgen wird. Alternativ dazu „Violetta“ aus dem BIO Landbau.

Viele fragen sich nun, welche Kartoffeln für den Anbau im Garten besonders geeignet sind. Hier sind unsere Empfehlungen:

Frühe Sorten in BIO Qualität:

BELANA - festkochend, gelbe Schale und Fleisch, oval, mittlere Anfälligkeit auf Krautfäule

GUNDA - mehligkochend, gelbe Schale und Fleisch, oval, geringe Anfälligkeit auf Krautfäule

Mittelfrühe Sorte in BIO Qualität:

ADRETTA - mehligkochend, gelbe Schale, hellgelbes Fleisch, rund, geringe Anfälligkeit auf Krautfäule

DITTA – festkochend, gelbe schale und Fleisch, oval, hohe Resistenzen gegen viele Kartoffelkrankheiten

LINDA - festkochend, gelbe Schale, tiefgelbes Fleisch, länglich, mittlere Anfälligkeit auf Krautfäule

LUNA ROSSA - vorwiegend festkochend, rote Schale, tiefgelbes Fleisch, oval, geringe Anfälligkeit auf Krautfäule

Späte Sorten in BIO Qualität:

CAROLUS - mehligkochend, gelb mit roten Augen, gelbes Fleisch, oval, geringe Anfälligkeit auf Krautfäule

SARPO MIRA - festkochend, hellrote Schale, hellgelbes Fleisch, oval, hoher Ertrag, geringe Anfälligkeit auf Krautfäule

Raritäten in BIO Qualität:

BLAUER SCHWEDE – vorwiegend festkochend, blaue Schale, violettes Fleisch, rund-oval, kräftiger Geschmack, mittelfrühe Sorte

BAMBERGER HÖRNCHEN – festkochend, gelbes Fleisch, gelb-rosa Schale, hörnchenförmig, bei Feinschmeckern beliebt, robust im Anbau, späte Sorte

TANNENZAPFEN – festkochend, gelbes Fleisch, rosa Schale, hörnchenförmig, aus England (um 1850), mittelspäte Ernte

Nachgefragt 1:

Kann ich Speisekartoffeln für meinen Garten verwenden oder muss ich Pflanzkartoffeln kaufen?

Grundsätzlich können Bio-Speisekartoffeln aus dem Bioladen, die nach der Ernte nicht mit Keimhemmern behandelt worden sind, unproblematisch für den Anbau im Garten verwendet werden. Es empfiehlt sich in der Regel dennoch auf neues Kartoffelpflanzgut zurückzugreifen, weil zertifiziertes Pflanzgut aus sogenannten Gesundlagen stammt und somit kaum bzw. keine knollenbürtigen Krankheiten aufweist. Ganz besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kartoffelpilzkrankheit Rhizoctonia (Wurzeltöterkrankheit), die hohe Ertragseinbußen und Qualitätsminderung zur Folge haben kann.

Nachgefragt 2:

Wo gibt es Pflanzkartoffeln am besten zu kaufen?

Wir empfehlen Pflanzkartoffeln in Bio-Qualität. Pflanz- bzw. Saatkartoffeln gibt es in den gleichen Sorten wie Speisekartoffeln. Mittlerweile wird man im Internet fündig. Hier gibt es Anbieter, die beides in hervorragender Bio-Qualität anbieten. Wir empfehlen www.kartoffelvielfalt.de oder www.biogartenversand.de. Möchten Sie vor Ort einkaufen, so schauen Sie im Bio-Handel nach. Immer mehr Bio-Läden bieten neben Lebensmitteln gerade kurz vor oder während der Gartensaison Pflanzkartoffeln an. Die ortsansässige Gärtnerei, der Kartoffelzüchter oder der Baumarkt berät natürlich ebenso zu gängigen, geeigneten Sorten.

Kartoffelpflanze, fotografiert beim Blühen. Weiße Blüte, gelbe Blütenmitte, grünes Kartoffelkraut, alles Nahaufnahme im Sonnenschein.

Zunächst wurde die Kartoffel wegen ihrer schönen unterschiedlich farbigen Blüten als Zierpflanze betrachtet. Erst später wurden die Schätze in der Erde geborgen und verzehrt…

Tipps, wie der Kartoffelanbau in Ihrem Garten gelingt

Vorkeimen

Neigt sich der Winter dem Ende entgegen, wachsen an Ihren Kartoffeln im dunklen Keller, lange weiße Keime. Die Kartoffel verliert an Feuchtigkeit und wird unansehnlich. Beim Vorkeimen macht sich der/die Gärtner*in genau diese Eigenschaft zu Nutze – mit einem Unterschied! Er nutzt das Licht für die Ausbildung von kleinen, lila-grünen Keimen, die sich nach einigen Wochen an den Augen der Kartoffel ausbilden. Es gilt folgendes zu beachten: Kartoffeln für den Anbau im Garten immer im Licht vorkeimen und nicht im Keller!

Grundsätzlich können Kartoffeln auch ohne Vorkeimen in die Erde gelegt werden. Das Vorkeimen dient der Kartoffel als Starthilfe bzw. Wachstumsvorsprung gegenüber nicht vorgekeimten Pflanzkartoffeln. Durch das Vorkeimen am Licht verfärben sich die einzelnen Kartoffelknollen grün bis dunkellila, welches auf die Bildung von Solanin (Alkaloid bzw. Nervengift) hindeutet, was wiederum die Kartoffel nachhaltig vor Krankheiten, Schädlingen und Fraß schützt. Daher Speisekartoffeln niemals im Licht und Wärme lagern und vor allem keine grünen Kartoffeln verzehren bzw. verarbeiten.

Beim Vorkeimen werden zwei Varianten empfohlen. Prinzipiell beginnen Sie bitte ungefähr 8 Wochen vor dem Pflanzzeitpunkt (Ende April).

Empfehlung 1 „Vorkeimen“

  • Legen Sie die Kartoffeln in eine typische Vorkeimkiste oder einen transparenten Behälter, eine Faltkiste, Pflanzstiege oder falls alles nicht zur Hand in eine Eierpappenschachtel (ohne Deckel). Stellen Sie alles in einen unbeheizten Raum (12 bis 18 °C) ans Fenster. Wichtig für die Entwicklung der Keime ist Licht!
  • Sie können in den ersten Tagen die Kartoffeln mit Wasser besprühen.
  • Nach wenigen Wochen beginnt die Keimentwicklung. Diese Keime erscheinen aus den sogenannten „Augen“ und sollten kurz (max. 2 cm lang) und dunkel sein. Keimt eine Kartoffel nicht, sortieren Sie diese bitte aus!

Empfehlung 2 „Vorkeimen-Profi“

  • Füllen Sie eine flache Kiste im Verhältnis von 2:1 mit einem Kompost-Sand-Gemisch.
  • Legen Sie anschließend die Pflanzkartoffeln darauf und drücken sie diese vorsichtig an.
  • Besprühen Sie die Kartoffeln in den ersten Tagen mit Wasser.
  • Die Kartoffeln werden an einen hellen, aber NICHT sonnigen Ort mit mäßiger Temperatur gestellt.

Achtung: Vorgekeimte Kartoffeln sind beim Verzehr GIFTIG (Bildung von Solanin). Bitte lagern Sie Ihre Pflanzkartoffeln außerhalb der Reichweite von Kleinkindern!

Kartoffeln legen

Zeigen sich Keime an Ihren Kartoffeln, kann es Ende April/ Anfang Mai losgehen. Der Boden sollte sich bereits auf 10 Grad erwärmt haben. Die oberirdischen Triebe sollten keinen Frost bekommen, denn Kartoffeln sind frostempfindlich. Sobald Blätter sichtbar werden und es noch zu Spätfrösten kommt, sollten Sie Ihre jungen Kartoffelpflanzen über Nacht abdecken. Die Abdeckung (meist Pflanz-Vlies oder alte Stoffbahnen, Decken) verhindert die Abstrahlung der Bodenwärme und schützt die Pflanzen so vor dem Erfrieren.

Schritt-für-Schritt-Anleitung „Kartoffeln legen“

  • Empfehlenswert ist das Ausbringen von Kompost oder Stalldung im zeitigen Frühjahr (Ende Februar/Anfang März) bzw. im Herbst vorher. Sie können jedoch auch im Zuge des Umgrabens als Grunddüngung auf Kompost bzw. reifen Stalldung zurückgreifen oder mit KleePura BioDünger Ihrem Boden die notwendigen Nährstoffe zu führen. Wir empfehlen als Dosiermenge 4 bis 5 Hände KleePura (ca. 180 g) je m².
  • Lockern oder graben Sie den Boden einige Tage vor dem Legen gut durch.
  • Kartoffeln werden im Abstand von 30 cm in ca. 5 bis 10 cm tiefe Reihen gelegt und im Anschluss von beiden Seiten angehäufelt. Diese Reihen sollen einen Abstand von 50 besser 60 Zentimeter haben, einige Gärtner*innen empfehlen sogar 75 Zentimeter.
  • Im Abstand von zwei Wochen häufeln Sie 2- bis 3-mal an. Nutzen Sie dafür evtl. die Hilfe einer Handhacke oder eines Rechens und ziehen Sie die Erde von den Seiten leicht zur Kartoffelpflanze, so dass nur noch die Triebspitzen zu sehen sind. Dadurch bilden sich an der Sprossachse wieder neue Sprossausläufer (Stolonen), an denen sich Knollen bilden können.
zu sehen sind 3 große braune Pflanzsäcke aus denen jeweils Kartoffelpflanzen heraus schauen. Im Hintergrund ein Hackeklotz, rechts daneben zwei kleinere Pflanzsäcke mit Sommerblumenpflanzen, die noch nicht blühen.

Kartoffeln gelingen in Pflanzsäcken und Wachsen innerhalb weniger Tage gigantisch – wichtig: gießen!

Nachgefragt 3:

Kann ich Kartoffeln auf meinem Balkon oder der Terrasse in Kübeln oder Pflanztaschen anbauen?

Kartoffelpflanzen werden sehr groß und benötigen im Topf viel Platz. Das verwendete Pflanzgefäß sollte also ausreichend groß sein. Ist dieses vorhanden, steht einem Anbau im Topf nichts im Wege. Von der Größe orientieren Sie sich bitte an der Faustregel 1 Pflanzkartoffel auf 15 l Erde. Sie können gern große Blumentöpfe oder Pflanztaschen verwenden. Wir empfehlen die 30l-Pflanztaschen für 2 Pflanzkartoffeln oder die 45l-Pflanztaschen entsprechend für 3 Pflanzkartoffeln. Als Pflanzerde verwenden Sie bitte eine lockere Gartenerde mit Kompostanteil oder unsere Naschgarten – BIO Erde von ökohum. Füllen Sie die Pflanzgefäße zur Hälfte mit Pflanzerde und mischen Sie pro 15 l Erde 2 Hände KleePura-BioDünger unter. Anschließend geben Sie 2 bis 3 Zentimeter Pflanzerde ohne Dünger obenauf. Nun legen Sie die Pflanzkartoffeln in gleichbleibenden Abstand auf die Erde und füllen anschließend das Pflanzgefäß zu 2/3 mit Pflanzerde auf. Das Gießen nach dem Legen Ihrer Kartoffeln nicht vergessen! Vorsicht jedoch vor Staunässe. Vor dem Gießen bitte immer überprüfen, ob Wasser nötig ist.

Zu sehen sind, drei Pflanzsäcke, die zu zweidrittel mit Erde gefüllt sind und auf denen in gleichmäßigen Abstand je drei Kartoffeln mit Keimen liegen.

Unvorstellbar, dass aus drei Kartoffeln pro 45 Liter Pflanzsack prächtige Kartoffelpflanzen mit reichhaltiger Ernte entstehen. Kartoffeln, wie oben beschrieben, mit Erde bedecken!

Haben Sie Fragen zum Kartoffelanbau in Ihrem Garten oder im Pflanzgefäß?

Treten Sie gerne mit uns in Kontakt, wir helfen Ihnen bei der Beantwortung Ihrer Fragen.